Geschichte

Klimatests an Schienenfahrzeugen haben bereits eine lange Tradition in Österreich. Wien war seit den 60er Jahren Standort eines Klima-Wind-Kanals für Schienenfahrzeuge. Seit dieser Zeit konnten Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt und Know-How konzentriert werden.

 

Die Fahrzeugversuchsanlage im Wiener Arsenal

Wien als Kompetenzzentrum für Klima- und Komfortuntersuchungen

Eine langjährige Tradition wird fortgesetzt

 

Die Fahrzeugversuchsanlage im Wiener Arsenal

Seit dem Jahr 1961 wurde in Wien am Gelände des ehemaligen Arsenal eine „wärme- und kältetechnische Versuchsanlage für Eisenbahnfahrzeuge“ geführt. Sie entstand aus einer Gemeinschaftsarbeit des Forschungs- und Versuchsamtes (Office de Recherches et d’ Essais, ORE, Utrecht), des Internationalen Eisenbahnverbandes (UIC, Paris) und des Bundesministeriums für Handel und Wiederaufbau. Die Republik Österreich stellte das benötigte Baugelände zur Verfügung. Es ergab sich damit die günstige Gelegenheit, die neue Fahrzeugversuchsanlage in die schon bestehende Bundesversuchs- und Forschungsanstalt für Wärme-, Kälte- und Strömungstechnik im Wiener Arsenal einzubeziehen. Zahlreiche europäische Bahnverwaltungen sowie die Republik Österreich erklärten sich zur gemeinsamen Finanzierung dieser Anlage bereit.

Baubeginn der Fahrzeugversuchsanlage, die aus zwei Kammern - einer Standversuchskammer und einer Fahrversuchskammer - bestand, war am 18. September 1958. Am 22. Juni 1961 konnte die Anlage feierlich in Betrieb genommen werden.

In der Erstausstattung konnten in beiden Kammern voneinander unabhängig Temperaturen von – 40° bis + 50°C erzeugt werden. In der Fahrversuchskammer wurden Windgeschwindigkeiten bis 120 km/h bei - 15°C Tieftemperatur erreicht. Nach mehreren Upgrades und einem großen Umbau in den Jahren 1973/74 reichten das Temperaturspektrum von - 50°C bis + 50°C und die simulierbare Fahrgeschwindigkeit durch Winderzeugung bis 250 km/h.

 

Wien als Kompetenzzentrum für Klima- und Komfortuntersuchungen

Bis Ende 2002 wurden im Wiener Arsenal über vier Jahrzehnte lang wärme- und kältetechnische Versuche mit Eisenbahnwagen in einer Fahrzeugversuchsanlage durchgeführt. Die „wärme- und kältetechnische Versuchsanlage für Eisenbahnfahrzeuge“ ermöglichte es, die geforderten Witterungsbedingungen zur Überprüfung von Schienenfahrzeugen in einer Versuchskammer jederzeit herzustellen und bei Bedarf auch zu reproduzieren. Auf aufwendige und zeitraubende Versuchsfahrten auf der freien Strecke konnte verzichtet werden.

Ziel der Versuche war es vor allem, den Wärmehaushalt von Reisezugwagen, Spezialgüter- und Kältewagen zu untersuchen. Die Bestimmung des Wärmebedarfes, der Wärmeverluste, der Wärmedurchgangszahlen und der Behaglichkeitsbedingungen in Reisezugwagen standen von Beginn an im Mittelpunkt der Arbeiten in der Fahrversuchskammer. In der Standversuchskammer wurden vor allem Funktionsprüfungen der wesentlichen Systemteile am Eisenbahnwagen sowie Vorheizversuche durchgeführt.

Wien hält eine lange und international beachtete Tradition als Kompetenzzentrum für Klima- und Komfortuntersuchungen an Schienenfahrzeugen. In der Fahrzeugversuchsanlage im Arsenal wurden viele der weltweit eingesetzten Nah- und Fernverkehrsfahrzeuge vor deren Auslieferung getestet, auch moderne Hochgeschwindigkeitszüge wie der ICE oder der TGV wurden den Klimatests unterzogen.

 

Eine langjährige Tradition wird fortgesetzt

Am 31. Dezember 2002 wurde die Fahrzeugversuchsanlage im Arsenal nach über 41 Betriebsjahren stillgelegt. Zu diesem Zeitpunkt stand der neu errichtete Klima-Wind-Kanal in Wien-Floridsdorf termingerecht bereit, die Forschungs- und Versuchstätigkeiten zu übernehmen und unterbrechungsfrei weiterzuführen. Schon in der Projektplanung war jedoch klar, dass die modernste Anlage alleine nicht genügen wird. Ohne erfahrenes Personal war die sofortige Aufnahme des Testbetriebes im neu errichteten Klima-Wind-Kanal Wien nicht denkbar.

Am 1. Jänner 2003 wechselten die Mitarbeiter der ehemaligen Fahrzeugversuchsanlage im Wiener Arsenal in den neuen Klima-Wind-Kanal nach Wien-Floridsdorf. Der geschlossene Übergang der Führungskräfte, aller Wissenschaftlichen Mitarbeiter, der Projektleiter und der Techniker gab dem weltgrößten Klima-Wind-Kanal das zum Betrieb dieser Anlage bestmöglich geeignete Personal. Das in vier Jahrzehnten erarbeitete Fachwissen im Bereich thermischer Fahrgastkomfort, die Erfahrung und Routine in der Abwicklung von Klimatests und auch die Kompetenz im Betrieb einer derart komplexen Versuchsanlage konnten bewahrt werden. Mit der Errichtung des neuen Klima-Wind-Kanal Wien und der Übernahme der Mitarbeiter aus dem Arsenal in die neue Anlage bleibt Wien Kompetenzzentrum für die Zertifizierung von Schienenfahrzeugen und für Funktionstests unter extremen Witterungsbedingungen. Eine langjährige Tradition wird fortgesetzt.