Entstehungsgeschichte

Machbarkeitsstudie

Das absehbare Ende der technischen Nutzungsdauer der Fahrzeugversuchsanlage im Wiener Arsenal Mitte der 90er Jahre erforderte die Auseinandersetzung mit der Frage nach einem Nachfolgeprojekt.

Um die weltweit einmalige Kompetenz für Klimaversuche an Schienenfahrzeugen in Wien zu erhalten, wurde im Jahr 1997 eine Machbarkeitsstudie über Bedarf, Standort und Finanzierungsmodell eines neuen Klima-Wind-Kanals erstellt.

Alleine die Unterstützung der Studie durch 13 Schienenfahrzeughersteller und durch den Internationalen Eisenbahnverband (UIC) machte das große Interesse der Europäischen Schienenfahrzeugindustrie an einem neuen Klima-Wind-Kanal deutlich. Das Österreichische damalige Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und das Österreichische Prüf- und Forschungszentrum Arsenal, als Betreiber der „Altanlage“ und Know How Geber, brachten die Bereitschaft der öffentlichen Hand zur Unterstützung dieses Vorhabens ein.

Die Machbarkeitsstudie ergab den weiterhin bestehenden Bedarf an einem Testzentrum für Klimaversuche. Es zeigte sich, dass zu den Anwendern neben den Schienenfahrzeugherstellern künftig auch vermehrt Straßenfahrzeughersteller (Nutzfahrzeuge) zu zählen sind. Eine große Anlage sollte genügend Kapazität für Klimatests an Eisenbahnen, Bussen und LKWs bieten. In weltweit durchgeführten Befragungen der Fahrzeughersteller wurden alle relevanten Leistungsmerkmale, Kenngrößen und Funktionen erhoben und so die Anforderungen an einen modernen Klima-Wind-Kanal erfasst.

 

Finanzierung

Ende Dezember 2002 wurde die Anlage nach weniger als zwei Jahren Bauzeit „in time and in budget“ fertig gestellt und von der Errichtergesellschaft Rail Test & Research GmbH an die Rail Tec Arsenal zum Betrieb übergeben.

Aufgrund der hohen Investitionskosten von € 65 Mio. und der langen Refinanzierungsdauer wurde ein Public Private Partnership Modell gewählt.

In einer derartigen Zusammenarbeit zwischen der Öffentlichen Hand und dem privaten Sektor werden die Vorteile beider Seiten vereint. Die Bonität und langfristige Finanzierungsfähigkeit des Staates und die Flexibilität der Privatwirtschaft in der Unternehmensführung.

Zur Finanzierung des Projektes wurde die in Bundesbesitz befindliche Schieneninfrastrukturfinanzierungs-Gesellschaft m.b.H. (SCHIG) als Public Partner ausgewählt. Über die 1999 gegründete Tochtergesellschaft Rail Test & Research GmbH (RTR) wurde die Errichtung der Anlage sichergestellt. Die RTA Rail Tec Arsenal Fahrzeugversuchsanlage GmbH (RTA) als Private Partner pachtet den Klima-Wind-Kanal für 35 Jahre und zeichnet für die internationale Vermarktung und die wirtschaftliche Betriebsführung der Anlage verantwortlich.

Am 1. März 1999 wurde der Projektvertrag zwischen der Errichtergesellschaft Rail Test & Research GmbH und der Betreibergesellschaft Rail Tec Arsenal abgeschlossen.

Die Republik Österreich und die Stadt Wien unterstützten das Projekt mit Eigenkapital und mit langfristigen Darlehen, es gab jedoch keinerlei Fördermittel.

 

Bauausführung

Zu Beginn der Errichtungsphase wurde die Ingenieurgemeinschaft Klima-Wind-Kanal Wien (IGW), bestehend aus JBG Gauff Ingenieure, Dornier SystemConsult und Gauff Rail Engineering zum Bauherrenvertreter bestellt, um die Projektabwicklung technisch kompetent zu begleiten und zu überwachen.

In einer internationalen funktionalen Ausschreibung wurde im Sommer 2000 die ARGE Klima-Wind-Kanal Wien, bestehend aus den Unternehmen MCE AG, AIOLOS und VA TECH Elin EBG GmbH als Bestbieter ausgewählt.

Für die Gesamtkoordination des Projektes war die MCE AG zuständig. Das Österreichische Unternehmen errichtete die Gebäudehülle und den Stahlbau. Der Kanadische Windkanalspezialist AIOLOS Engineering Corporation brachte die Windkanaltechnologie, die Windkanalsteuerung, die Rollenprüfstände und die Solarsimulation ein. VA TECH Elin EBG lieferte die gesamte Elektrotechnik, das Abgassystem, die Regen-/Schneesimulation und die komplette technische Gebäudeausrüstung.

Nach einer Detailplanungsphase erfolgte am 8. März 2001 der Spatenstich. Die tatsächliche Errichtung der Anlage auf den Paukergründen in Wien, Floridsdorf begann. Bereits fünfzehn Monate später, im Juni 2002, wurde mit „Wind On“ der kleinere der beiden Klima-Wind-Kanäle zum ersten Mal in Betrieb genommen und die abschließende Testphase gestartet.


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